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Die Jugend (1959 - 1989)
Schach vor vierzig Jahren war gestandener Männer Angelegenheit. Natürlich ist damals vielwortig bedauert worden, mangelte es am Nachwuchs, und es hat - siehe Kurt Enders Visite bei Direktor Knapstein - auch nicht an einfallsreichen Versuchen gefehlt, etwas daran zu ändern. Allein, solchen Versuchen waren zu jener Zeit enge Grenzen gezogen. Schach galt als ehrwürdiges Spiel, für das, wer darin bestehen und weiterkommen wollte, eine gute Portion Muße und Bedachtsamkeit, Selbstdisziplin und Stehvermögen mitbringen mußte - Eigenschaften also, die das gesetztere Alter nun einmal eher auszeichnen als die stürmische Jugend. Über schlimmstenfalls mehrere Stunden am Brett zu hocken, ohne Bewegung und in tiefem Schweigen verharrend, kann auf den Jugendlichen zu keiner Zeit besonderen Reiz ausgeübt haben, in den 5oer Jahren im Schnitt wohl noch weniger als anderswann. Es war die Zeit des Rock'n Roll, der Music-Box und der Motorroller, eines Lebensgefühls, das auf Ausbruch aus der Enge der Väterwelt, Freiheit und Bewegung erpicht war. Den spießigen Zwängen der Adenauer-Ära zu entwischen und jenseits von Pflicht und Kravatte das Leben zu erfahren, dies war der Leitstern. Unmöglich kann damals das zähe Geschehen auf dem Gitterwerk der 64 Felder für Jugendliche sonderlich attraktiv gewesen sein. Und zähe war's, sollte es sein, nach allen Regeln der Kunst - der "Wissenschaft". Im Hohen Schach, auf der Ebene der Meister also, herrschte die Vorstellung eines von aller Dynamik und Spannung freien Spiels vor. Gewagte Kombinationen und mitreißende Opferattacken galten als unsolide und aussichtslos, stattdessen sollte man mit drögem Positionsspiel eine Summe kleiner Vorteile anhäufen und sie alsdann in ausgefeilter Endspiel-Technik zur Geltung bringen. Sich hierin in langen Jahren zu vervollkommnen, sollte der Weg zur Meisterschaft sein. So stand man mit 25 Jahren noch durchaus am Anfang der Karriere und wäre mit Hohn und Spott bedacht worden, hätte man sich's herausgenommen, in diesem unreifen Alter den Weltmeister zu fordern. Der Krone würdig war man erst jenseits der 3o, wie es ja Capablanca (33) und Aljechin (35) und Botwinnik (37) bewiesen hatten. Kein Platz für den jungen Spund. Erst das durch und durch "romantische" Spiel von Michail Tal, der mit seinen 23 Jahren den einer wissenschaftlichen Auffassung huldigenden Botwinnik und die gesamte überkommene Struktur des Spiels durcheinanderwirbelte, hat die Vorstellung vom reinen Denk-Sport aufgebrochen. Schach konnte also Kampf sein und Risiko? Eine wilde Angelegenheit um Kopf und Kragen? Etwas, wo man sich nach Herzenslust austoben konnte - und dies Image paßt der Jugend durchaus eher als das Klötzchengeschiebe nach Großväter-Art.
Wie in der Welt, so in der Provinz - gemeinhin jedoch um ein bis zwei Jahrzehnte verschoben. Absolut modern sind für damalige Zeit die Ideen des agilen Kurt Ender gewesen, für Meppen indes wohl ein gutes Stück zu fortschrittlich. Ob ihm etwas in der Art vorgeschwebt haben mag, wie das Meppener Gymnasium mit dem Schachklub in Gestalt etwa einer Arbeitsgemeinschaft zu verknüpfen, weiß ich nicht; der Elan der Gymnasiasten scheint sich jedoch sehr rasch erschöpft und der Verein dann doch nur zu bald zum Honoratioren-Klub entwickelt zu haben. Geblieben werden wohl nur Oehm und Schaaf sein, den wir von der Entscheidungspartie gegen Guba (Preisturnier 1961/62) noch kennen - eine Minorität also, auch wenn es in späteren Jahren vereinzelt weitere Jugendliche gegeben haben mag, wie etwa einen Engler "junior", den Oppermanns Kassenbuch über einige Jahre verzeichnet, allerdings ohne Altersangabe. Interessant wird es erst wieder Ende der 6oer mit einer Gruppe von drei Schülern, die 1967 dem Anschein nach gemeinsam in den Verein eingetreten sind: Eckhard Georg, Günther Merker und Friedhelm Mundil - alle Jahrgang 1953. Keine Rede aber auch dann von einem speziellen Jugendtraining. Vielmehr dürften die drei Gefährten schlicht auf den Vereinsabenden und den Meisterschaften durch Mitspielen fortgebildet worden sein, und wenn dabei wenigstens Mundil zu einem starken Gegner herangereift ist, der es binnen kurzem bis in die I. Mannschaft gebracht hat, so mag dies auf sein Talent zurückgeführt werden. Immerhin aber ist Mundil - ob auf Anregung des Vereins oder doch aus eigenen Interesse, sei dahingestellt - 1968 als erster Meppener bei den Blitzmeisterschaften der Bezirksjugend angetreten und hat dort in seiner Altersklasse den zweiten Platz gemacht. Man erwacht in Meppen aus diesem Dornröschenschlaf erst ein knappes Jahrzehnt später, einmal wegen Fishers Sieg in Reykjavik, der eine sprunghaft steigende Zahl junger Schach-Interessenten im Gefolge führt, dann jedoch auch sehr konkret, da man über die Verbindung nach Löningen Einblick in die höchst erfolgreiche Arbeit gewinnt, welche Studienrat Ihorst am dortigen Gymnasium leistet. Talente wie Friedrich-Wilhelm Schwefer, ein Finke oder ein Rogge stoßen den Schachklub Meppen nachdrücklich darauf, sich nun unverweilt auf die Socken zu machen.
Alles beginnt im Frühjahr 1976 damit, daß Bruder Basilius in Haselünne die Schachgruppe "Denkste" aus der Taufe hebt. Über die allerersten Anfänge wissen wir nichts, doch hat Basilius zusammen mit seinen Unterlagen zu Kasse und Schriftverkehr eine Anzahl von Dokumenten hinterlassen, die uns einen Einblick in die Arbeit und die gesamte Entwicklung des Jugendschachs in Haselünne ermöglichen. Denn dies ist das Neue: das Angebot richtet sich, im Gegensatz zu den Zeiten von Heinz Neumanns Schachabteilung, ausschließlich an Jugendliche. Erstes überliefertes Ereignis ist ein im März an vier Terminen ausgetragenes Turnier, für das die Gaststätte "Esders" den Rahmen abgibt. Ein von der Tagespresse gebrachtes Foto zeigt Bruder Basilius - gerade einmal so groß wie die Jungens von vielleicht 13 Jahren und einen ganzen Kopf kleiner als der Sieger - bei der Preisübergabe an Reinhard Felthaus, der vor Dirk Völkening und Martin Burke gewonnen hat. Etwa ein Dutzend weiterer Teilnehmer bildet die Kulisse. Nach einem Simultanauftritt von Fritz Finke Anfang April folgt das sogenannte Oster-pokaltumier, für das sowohl die Tabelle wie der Entwurf für eine Presseankündigung erhalten sind. Es mögen von den Interessenten doch bitte Bretter und Figuren mitgebracht werden und - ein Startgeld von zwei Mark! Eine Kriegslist, die für diesen wunderlich-wunderbaren Menschen genauso charakteristisch war wie seine Herzenswärme und sein Engagement. In diesem Fall hat er wohl nach einer Möglichkeit gesucht, die Jungen auf so dezente wie etwas schlitzohrige Weise bei der Stange zu halten, denn wer schmisse wohl die Brocken hin, wenn er Obulus zu entrichten schon vorab genötigt wird? Auf sympathische Art hintergründig ist Bruder Basilius gewesen, und so wie er gegenüber einem schwächeren Anfänger die offensichtlichsten Gewinnzüge in denkbar größter Unbefangenheit übersehen konnte, so gevieft waren seine Tricks, saß er einem nominell stärkeren Gegner gegenüber. Da beispielsweise wurde ein Bauer vorgezogen, und Basilius – das zusammengeklappte Brillengestell in der Hand, den Blick auf eine beliebige Stelle an der Wand fixiert - hockte dabei, als könne er nicht bis drei zählen und habe sich bei dem Zug nichts gedacht, ein Bild reinster Unschuld. Ganz besonders gefährlich stand es, hub Basilius mitten während der Partie wie von ungefähr an, einen mit strahlender Miene und größter Anteilnahme nach Wohl und Wehe auszuholen. Und was denn das Studium so mache? Ach ja, und den Eltern gehe es gut? Soso. Und tief in den Augen steckte ihm dabei der Schalk. Aber zurück zum Pokalturnier Ostern 1976, dessen Abschlußtabelle 13 Teilnehmer aufführt, die das Startgeld nicht gescheut haben und auch wirklich bis zum Ende durchhalten. Das Ergebnis bringt diesmal einen anderen Einlauf der drei offensichtlich stärksten Spieler, indem nun Martin Burke mit 1o:2 Punkten die Nase vom hat, knapp dahinter liegen Völkening und Felthaus. Im Juni dann steht ein Schulvergleich (Gymnasium St. Ursula contra Realschule Haselünne) auf dem Programm, im Oktober gefolgt von einer ausgewachsenen Schülermeisterschaft. Zuguterletzt gibt's zwischen Weihnacht und Neujahr ein weiteres Simultan-Turnier, diesmal mit Carsten Rogge. Nach diesen nur wenige Monaten sind Felthaus und Burke stark genug, es mit den Senioren aufnehmen zu können; in aller Demut stolz dürfte Bruder Basilius gewesen sein, als tatsächlich noch 1977 einer seiner Schützlinge, Martin Burke, in Meppen das Vereinspokalturnier gewinnt. Und wieder nur ein Jahr darauf spielen beide in der I. Mannschaft mit - hurtig ging das damals. Viel nachlässiger als dies spannende erste Jahr hat Basilius die weitere Arbeit dokumentiert. Ob die Jugendgruppe Haselünne von Dauer gewesen oder bald darauf im Gesamtklub aufgegangen ist, weiß ich nicht zu sagen. Nachweis dagegen findet sich für eine nächste Aufgabe, die mit Beginn der 8oer Jahre auf den unermüdlichen Basilius zugekommen ist, die Beteiligung des Schachklubs Meppen-Haselünne an der alljährlichen Ferienpaß-Aktion. Der Chronist mag sich täuschen, doch will es ihm im Rückblick so erscheinen, als seien diese jeweils im Juli oder August veranstalteten Spielrunden die eigentliche Basis gewesen, von der aus der Verein seine Krise zu bewältigen vermochte. Unter den Jungen und Jüngsten in Sachen Schach Werbung zu betreiben und nebenher auf Mitgliederfang zum Wohl des Vereins zu gehen, das war nun gute Gelegenheit. Betreut, begleitet und getröstet ("Es ist nicht wichtig gewonnen zu haben, sondern dabei gewesen zu sein!") von Bruder Basilius, haben sich viele der Steppkes nicht gar lang überzeugen lassen müssen, in den Schachklub einzutreten. Und so findet sich auf den paar Fotografien diese Zeit manch vertrautes Gesicht - oder vielmehr: dessen Kindervariante. Stolz präsentiert der Sieger von 1986 seine Urkunde, der Dreikäsehoch Uwe Meng.
Parallel zu dieser vereinsinternen Jugendarbeit, ihr eigentlich sogar voraus, entdeckt der Schachklub Meppen die vom Verband organisierten Jugendligen. Zumindest seit der Saison 1974/75 läßt sich ein Meppener Team nachweisen und zwar in der Jugendverbandsklasse Münsterland. Rückgrat dieser Truppe sind aber zunächst die Talente, die aus Löningen und Herzlake herüberkommen - an eigenen fehlt es ja noch. Mit Finke und Rogge, Duschanek und dem jungen Toni Schwefer, mit Herm und später dann Felthaus wie Burke muß man durchaus erfolgreich gewesen und zügig in die Jugendverbandsliga aufgestiegen sein. Denn bei seinem Amtsantritt 1978 beklagt Heinz Neumann den stattgefundenen Abstieg des Jugendteams aus dieser Liga, der augenscheinlich mit dem Ausscheiden der Löninger wie auch Herzlaker Spieler in Verbindung steht. Was danach aus dem Jugendteam geworden, ist gänzlich ungewiß. In der folgenden Saison jedenfalls wird eine Meppener Mannschaft in den Münsterländer Verbandsnachrichten nicht mehr geführt, und im neuen Schachverband Niedersachsen scheint es zur Einrichtung solcher Jugendformationen erst beträchtlich später, um 1982 etwa, gekommen zu sein. Da sich auch in den - für die Jahre nach 198o allerdings sehr lückenhaften - Unterlagen unseres Vereins nichts mehr über solche Aktivität verzeichnet findet, mag es in dieser Zeit tatsächlich keinerlei Jugendmannschaft gegeben haben. Einzig von einer "Schachtrainingsrunde Emsland" ist kurz die Rede. Neben seiner Sammlung all dieser Zeitungsausschnitte, Tabellen, Mannschaftsaufstellungen und Texte (die mitunter in recht gewagter Orthographie verfaßt sind) hat Bruder Basilius bei seinem Abschied 1985 auch noch seinen roten Arbeitsordner hinterlassen, in dem bis heutigen Tags in kunterbunter Folge abgeheftet liegt, was zu seiner Zeit des Aufhebens wert und wichtig erschien: Rechnungen, Quittungen, Durchschläge - inzwischen ohne jede Bedeutung. Und doch blitzt aus diesem Wust da und dort etwas von dem wahren Basilius durch, Nachrichten aus der Stille des Missionshauses, vom Schreibtisch aus aller Welt anvertraut. Es sind die Durchschläge seiner Briefe, der von ihm als Schriftführer betreuten Geschäftspost des Vereins. Trockene Schreiben, sollte man meinen; nicht so bei diesem Menschen. Kein Anlaß ist ihm zu dröge, um in den Geschäftston nicht an irgendeiner Stelle etwas von sich zu geben, eine abseitige Betrachtung etwa oder das Fragment eines Kommentars in eigener Sache. An den Vorsitzenden des Bezirks, Werner Heuser, ergeht die Meldung von der Wahl Heinz Neumanns zum Vorsitzenden - wie aber kann man dies tun, ohne der zwei Runden zu gedenken, die Neumann und v. Hunnius geschmissen haben? Der Schachverlag Rudi Schmaus mahnt leichtsinnigerweise eine säumige Zahlung an und gerät dabei aber schon ganz an den Falschen, denn da naht der Konter: "Wenn Sie auch so prompt im Liefern wären als ich im Bezahlen, dann wäre es schöner auf der Welt." Gleich nachher tut's ihm aber leid, und zum Trost wird dem Schachverlag Aktuelles aus dem Verein berichtet. Im Dezember 198o aber darf sich Bezirkskassierer Heinz Schmidt nicht nur über die zügige Überweisung eines fälligen Jahresbeitrags, sondern auch über die neue exakte Adresse von Basilius freuen: "NB. vom 21.Jan.-Ostern=16.April 1981 bin ich in Indien anzutreffen." Da sieh zu.
Als mit Ende der 8oer Jahre sich auch die letzten zwei der Alten Garde aus dem Vereinsleben zurückziehen, mögen sie das ohne Besorgnis tun. Aus dem Tief von 1985 ist der Schachklub Meppen heraus und steht auf dem Sprung, zu dem Verein zu werden, der er heute ist. Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder faktisch verdreifacht; aus dem verlorenen Häuflein von 22, das man 1984 noch war, sind stolze 64 geworden. Auch über ein zweites Standbein läßt sich seit Frühjahr 1987 wieder verfügen. Wie sich Friedrich Guba erinnert, habe er gelegentlich einer seiner vielen Wandertouren Heinz Albers kennengelernt und ihm dann gut zugeredet, es doch einmal mit dem Schach zu versuchen. Nun, Heinz Albers tritt 1985 in den Schachklub ein, übernimmt nur wenig später die Aufgaben eines Schriftführers und nach dem Tod von Ingo Müller dann das Amt des Kassenwarts, ehe man ihm im Januar 1989 zum Vorsitzenden gewählt hat. Dazwischen jedoch ruft er in Wesuwe eine eigene Schachgruppe ins Leben, die derart floriert, daß man dort 199o sogar eine eigene Mannschaft aufstellen kann. Diese Erweiterung Richtung Wesuwe ist jedoch nicht isoliertes Geschehen, sondern steht - ähnlich wie dies bei Heinz Neumanns Initiative in Haselünne der Fall gewesen ist - in Zusammenhang mit einem generellen Umbruch, der sich in kaum fünf Jahren als Folge gerade der Jugendarbeit im Schachklub Meppen vollzieht.
Im Rückblick läßt sich der Wandel zunächst an den Vereinsabenden erkennen. Zwar findet die Trainingsarbeit eher am Nachmittagstermin statt, doch tauchen viele Jugendliche mit zunehmendem Alter eben auch abends auf und bringen ihren frischen Ehrgeiz mit. Fast zwangsläufig werden deshalb ab 1985 Meisterschaft und Pokal wieder im Jahresturnus ausgetragen. Und obschon Reinhard Felthaus (nach dem Abschied von Gerwin Wilms 1984 die unbestrittene Nummer Eins) vorerst seine Überlegenheit wahren kann, kommt rund um ihn - der damals selbst erst 25 Jahre zählt - die nächste Spielergeneration auf. Erster Herausforderer wird Oliver Behrendt aus Haselünne, der Felthaus die Meisterschaft 1985 zwar nicht, dafür jedoch den Pokaltitel des selben Jahres wegschnappen kann. Mehr als diesen Ausgang wissen wir nicht, und ebenso steht es um die Pokalturniere von 1986 und 1987, deren Titelträger jeweils Reinhard Felthaus heißt. Für die Meisterschaftsrunde 1986 kennen wir dagegen immerhin die Namen der Teilnehmer. Neben vier Stammkunden vergangener Jahre (Heinz Neumann, Lydia Deeken, Reinhard Felthaus und Ernst Krebs) kämpfen drei Neuzugänge aus jüngerer Zeit (Norbert gr.Kohorst, Heinz Albers und Dieter Horstkanp - der letztere ein Mitglied der I. Mannschaft) zusammen mit sieben Jugendlichen (unter ihnen neben Oliver Behrendt erstmals Oliver Eing und Dirk Augustin) um den Titel, der dann an Felthaus geht. In etwa gleicher Besetzung startet mit diesmal 13 Teilnehmern die Meisterschaft 1987, nur daß jetzt Behrendt ausgeschieden ist und dafür ein anderer Neuzugang aus der I. Mannschaft, Geert Ernst, und der Verfasser selbst mitmachen. Noch ist der Ausgang eindeutig: Auf den ersten Plätzen landen mit 11.5 Punkten aus 12 Partien Felthaus und Henning (ein Stichkampf entscheidet zu Reinhards Gunsten) vor Emst und Horstkamp (8.5 bzw. 8 Punkte) und den mit 6.5 Zählern deutlich abgeschlagenen Eing und Augustin. Ein Wandel in dieser Hierarchie kündigt sich aber schon im nächsten Jahr an. Überraschend heißt der Pokalsieger 1988 Dirk Augustin, und auch in der Meisterschaft holen die Jugendlichen mächtig auf. Es siegt zwar einmal mehr Felthaus mit 11 aus 13, aufgerückt auf den geteilten zweiten Platz ist jedoch Augustin (9.5), dicht gefolgt von Eing (9) und einem weiteren neuen Talent, Carsten Albrecht. Horstkamp und gr.Kohorst landen nun im geschlagenen Feld und müssen auch noch Senior Ernst Krebs vorbeiziehen lassen. Zum zukunftsweisenden Ereignis ist dann die Vereinsmeisterschaft 1989 geworden - ein Turnier, das es nach Größe und Spielstärke durchaus mit den Meisterschaften der 6oer Jahre aufnehmen kann. Unter den 16 Teilnehmern längst vertraute Gesichter: Krebs, Deeken, gr.Kohorst und Heinz Albers, dazu (wie schon ein Jahr zuvor) von der Gruppe Wesuwe Willi Hüser - das sind die älteren Spieler. Dann drei Jugendliche aus den 7oer Jahren: der Pokalgewinner von 1989 und Favorit Reinhard Felthaus, ich selbst, sowie (nach langer Unterbrechung noch einmal) Martin Burke. Und gegen diese drei vor allem tritt die Phalanx des Vereinsnachwuchses an, mit Eing und Augustin, mit Albrecht und Uwe Meng, mit Thomas Ostermann und Andre Broens - für ihn der erste Auftritt. Als alles dann vorbei ist, der Rauch sich nach dramatischem Kampf in der breiten Spitzengruppe verzogen hat, besitzt der Schachklub Meppen einen neuen Vereinsmeister: Oliver Eing. Knapp aber verdient, als einziger ohne jede Niederlage und mit fast blütenreiner Bilanz gegen die direkten Konkurrenten, gewinnt er mit 13 Punkten aus 15 Partien vor den gemeinsamen Zweiten Augustin und Henning (12.5) sowie Carsten Albrecht (11). Abgeschlagen aber ist der Serienmeister langer Zeiten, Reinhard Felthaus, und ebenso geht es Martin Burke; beide können sich gerade noch vor einem gleichfalls stark aufspielenden Uwe Meng plazieren. Nicht einem einzelnen, sondern der Jugend insgesamt ist 1989 der Durchbruch an die Spitze gelungen, und ohne sie wäre an die Rückkehr in die Bezirksliga einige Jahre später nicht zu denken gewesen.
Entsprechend dieser Entwicklung im Jugendbereich wandelt sich in den Jahren nach 1985 auch das Erscheinungsbild der I. Mannschaft, ja, des Mannschaftsgefüges überhaupt. Fast anderthalb Jahrzehnte hindurch hatte man sich mit nur zwei Mannschaften im Seniorenbereich begnügen müssen und selbst dabei mit der Aufstellung noch etliche Probiere gehabt. Angesichts der zahlreichen Jugendlichen und mit der Schachgruppe Wesuwe in der Hinterhand, können und müssen bald weitere Teams angemeldet werden: ab 1987 gibt es eine III. und ab 1989 eine IV. Mannschaft, was von der stürmischen Entwicklung in den 9oer Jahren der vergleichsweise bescheidene Anfang gewesen ist.
Noch ganz in der Welt der 7oer Jahre verhaftet ist das Team, das 1985 in einen weiteren Kampf gegen den Abstieg zieht. Von Guba am ersten und Neumann am letzten Brett eingerahmt sind Felthaus und Henning, Burke und Steinke, hinzu kommen an Brett 3 Oliver Behrendt und drei Plätze weiter Norbert gr.Kohorst, der eine aus eigener Jugend, der andere ein 1983 eingetretener Lehrer. Gerade mal so, erst durch einen glücklichen Sieg in der letzten Runde gegen Nordhorn, entgeht man der dräuenden Kreisliga. Für die Saison 1986/87 werden dann mit Geert Ernst und Dieter Horstkamp zwei neue Spieler gewonnen, der Kreis derer, die für die I. Mannschaft in Frage kommen, ist indes derart begrenzt, daß sich an Brett 8 noch Ernst Krebs mit seinen 7o Jahren aufstellen lassen muß. Das Jahr 1987 bringt dann eine erste deutliche Zäsur, für Friedrich Guba und Heinz Neumann ist jetzt Schluß. Und da sich auch Ernst Krebs wieder in die II. Mannschaft zurückstufen läßt, spielt ein deutlich verjüngtes Team, in dem mit Oliver Eing und Dirk Augustin zum erstenmal nach gut und gerne fünf Jahren wieder neue Jugendspieler aus dem eigenen Nachwuchs auftauchen. Wie schon in der vorherigen Spielzeit reicht es aber auch jetzt nur zu einem Platz im unteren Mittelfeld der Bezirksklasse. In dem wesentlich besseren Abschneiden in der folgenden Saison spiegelt sich dann die wachsende Spielstärke der Jugendspieler, die nun - nach dem Weggang von Geert Ernst - durch Carsten Albrecht Zuzug erhalten. Bei Halbzeit sieht es sogar danach aus, als könne der Schachklub Meppen am Ende wohl einen der zwei Aufstiegsplätze belegen. Niederlagen in den drei letzten Runden gegen Nordhorn-Blanke, Hellern und Bramsche (jeweils die II. Mannschaft) lassen letztlich aber nicht mehr als den vierten Rang zu. Endgültig vollzogen wird der Umbruch im Jahr 1989. Den Verein verläßt jetzt auch Dieter Horstkamp, Vertreter in Sachen Angriffsspiel ohne wenn und Aber, für dessen freilich sympathische Zockermentalität das Spiel nur um der Ehre willen auf Dauer das Wahre nicht gewesen sein mag. In der neuen Rangfolge mit Felthaus, Henning, Augustin, Eing, Burke, Albrecht, Meng und Broens gelingt der Mannschaft mit vier Siegen in Folge eine ebenso überzeugende erste Hälfte der Saison, wie darauf die zweite Hälfte mit vier Niederlagen miserabel gerät. So enttäuschend das damals auch gewesen sein wird, die eigentliche Bedeutung liegt in der Aufstellung dieser Formation selbst. Kaum verändert ist sie für die folgende Zeit zusammen geblieben und hat dann mit Thorsten Behrens für Augustin (Mitte 1991 für einige Jahre nach Münster gewechselt) und Thomas Ostermann an Stelle von Burke (vom gleichen Jahr an nur noch Ersatzspieler) die Rückkehr in die Bezirksliga geschafft. Und bis auf den heutigen Tag bildet dieses Team von damals den Grundstock unserer I. Mannschaft.
Wie sehr der Schachklub Meppen seine weiteren Erfolge den Jugendlichen (und damit ebenso dem eigenen Engagement in diesem Bereich) zu danken hat, verdeutlicht ein Blick auf die Entwicklung des Jugendschachs in den 8oer Jahren. Zunächst scheint es nur eine Mannschaft gegeben zu haben, deren Mitglieder von 1982 an unter der Obhut von Bruder Basilius jeden Montagnachmittag im Babysitter-Raum der Probsteigemeinde Meppen trainieren. Zwei Entwürfe zu Presseartikeln dokumentieren, daß sich diese Gruppe von etwa zehn Jungen mit anderen Jugendmannschaften mißt und dabei recht erfolgreich abschneidet. Im Herbst 1982 können Bentheim und Nordhorn-Blanke mit 6:2 und 7:1 geschlagen werden. Für die nachfolgenden Jahre fehlt es dann aber an Zeugnissen, so daß sich der weitere Fortgang nur in etwa vermuten läßt. Erst für die Saison 1986/87 sind Jugendmannschaften wieder verbürgt, und jetzt gar deren drei. Eine A-Jugend-Formation spielt in der Jugendliga Emsland, mit Eing und Augustin an den ersten Brettern, ein weiteres Team in der Jugendklasse, und schließlich gibt es auch noch eine Gruppe C/D-Jugendlicher. Präziser unterrichtet sind wir erst über die Spielzeit darauf, aus der für die A-Jugend die weitere Rangfolge mit Andreas Riese, Thomas Ostermann, Michael Meyners, Stefan Armbrust und Uwe Meng überliefert ist, und - wegen der Erfolge - genauer noch über die Saison 1988/89. Offensichtlich gelten für die Aufstellung inzwischen andere Bestimmungen, so daß nun neben vier A-Jugendlichen je ein Mädchen und ein C/D-Jugendlicher eine Mannschaft bilden, und ebenso offensichtlich ist, daß in Meppen bereits ein Überangebot an starken Jugendspielern herrscht. An den oberen Brettern in der Jugendliga muß zwischen Albrecht und Ostermann und Meng schon fleißig hin und her gewechselt werden. Das Mädchenbrett besetzt Martina Heckmann, und den letzten Platz nehmen wahlweise Carsten Buchwald oder Marc Reiter ein. Zum Abschluß einer erfolgreichen Saison winkt dieser Mannschaft der Aufstieg, für den der Stichkampf gegen eine gleichermaßen starke Schachjugend des Vereins Rochade Hollage auszutragen ist. Denkbar knapp und erst nach Berliner Wertung scheitert man, qualifiziert sich dann aber doch für die Landesklasse West, da dort die Mannschaft eines anderen Klubs zurückgezogen wird. So also ist die Bühne frei für einen der ganz großen Erfolge aus dieser frühen Zeit der heutigen Jugendarbeit. Nun an acht Brettern und in der Stammformation Augustin, Eing, Albrecht, Meng, Broens und Ostermann, Martina Heckmann und Buchwald bzw. Reiter spielend, schlägt diese Jugendauswahl des Schachklubs Meppen in der Saison 1989/9o ihre Gegner einen nach dem anderen und wird dafür mit neuerlichem Aufstieg belohnt: für die nächsten zwei Jahre spielt das Team in Niedersachsens höchster Jugendklasse. Ein Beispiel für die Jugendarbeit - ein anderes das von Martina Heckmann, mit deren Namen sich der Beginn eines neuen Kapitels in unserer Vereinsgeschichte verknüpft, das des Mädchenschachs. Über ein Jahrzehnt hinweg war es einzig Lydia Deeken gewesen, die aus der Schachszene in Meppen mehr gemacht hatte als die Domäne reinen Männersports. Angefangen mit Martina ändert sich das. Mit gerade elf Jahren kommt sie bei den in Emlichheim ausgetragenen Bezirksmeisterschaften der C/D-Mädchen 1988 auf den dritten Rang, obwohl sie in ihrer Altersklasse zu den Jüngsten gehört, und qualifiziert sich für die Landesausscheidungen im Frühjahr 1989. Da Martina hier das beste Ergebnis in der jüngeren Altersstufe erzielt, berechtigt ihr sechster Platz zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der D-Mädchen im Herbst. Hier gelingt ihr erneut ein sechster Platz, und später holt sie sich dann auch noch den Bezirkstitel. Am Aufbau einer eigenen Damenmannschaft in den letzten Jahren und an deren Erfolgen - 1998 ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga nur um Haaresbreite verpaßt worden - läßt sich die Bedeutung jener Entwicklung messen, die mit Martina Heckmann ihren Anfang genommen hat.
Erfolg also zwar nicht überall, wohin man blickt, aber doch vielerorts und wo nicht, dann dort für die nahe Zukunft mindestens zu erahnen. In vergleichbarer Situation wie 15 Jahre zuvor Rolf v. Hunnius tritt Heinz Neumann 1989 zurück und übergibt die Amtsgeschäfte an Heinz Albers, so geschehen am 14. Januar. Nicht ganz zufällig ist dieser Termin gewählt, fast auf den Tag genau fällt er mit dem Gründungsdatum des Vereins zusammen. Und dennoch liegt dieser Wahl mehr zugrunde als eine individuelle oder bloßer Zahlensymbolik geschuldete Entscheidung. Viel bestimmt die Person eines Vorsitzenden, aber so viel nicht, daß nicht noch jeder Verein sein Eigenleben geführt und dadurch seinen beinahe persönlichen Charakter hätte. Unserem Schachklub Meppen aber ist eine die Jahrzehnte überspannende Kontinuität seiner Mitglieder - so scheint es - nicht zu eigen. Wie sein Vor-Vorgänger im Amt mag auch Heinz Neumann bei seiner Abschiedsrede auf die Gesichter der damals Versammelten geblickt und Ausschau gehalten haben nach den Gefährten aus langer und großer Zeit. Wo nur waren sie? Und als er in seiner Rede an ihre Namen erinnert hat, an Knop und Klose und Finke und Rogge, an Caspar, Ihorst, Dauwe Többen, die Schwefers und Schüttes, da sind es auch dieses Mal nur eine Handvoll gewesen, die mit solchen Namen noch etwas haben verbinden können. Fünfzehn Jahre gelebt hatte der Alte Schachklub Meppen; fünfzehn Jahre nun auch der Verein, dessen Wesen von ihm, Heinz Neumann, so entscheidend bestimmt worden war. Schon hatte sein Klub etwas Neuem Platz gemacht, schon gab es ihn nicht mehr oder doch nur in der Erinnerung weniger. Einzig der Wandel, der sich in Eintritten und Austritten schleichend vollziehende Wandel war beständig gewesen; da ging er dann. Heute sind wir nunmehr fünf, die noch vor den Brett sitzen und uns der Tage im Gartenrestaurant Finkenbrink und im Schachverband Münsterland zu entsinnen vermögen, fünf unter 12o Mitgliedern: Bernhard Suntrup, Lydia Deeken, Reinhard Felthaus, Ernst Krebs und der Chronist selbst.
Zwei Monate nach dem Rücktritt Heinz Neumanns ist in Bamberg, im 78. Jahr seines Lebens, der Missionsbruder Basilius Fritsch gestorben. Nach seiner Heimkehr Museumsführer im Mutterhaus des Ordens, hat er für diese Aufgabe - so will es der Nachruf - sein Wissen von Indien gut verwenden können. Dorthin war er zu Anfang seines Ordenslebens entsandt worden, zu einer Zeit, da in Deutschland Hitler und in Indien noch die Kolonialmacht Britannien herrschten und man solche Reisen nicht auf ein paar Wochen tat, sondern auf Jahre. Dorthin ist er zurückgekehrt bis in sein hohes Alter, in eine andere Welt.
Sehr unterscheidet sich der Schachklub Meppen heute von jenem vergangener Tage. Riesengroß scheint er mir im Verhältnis zur Vergangenheit. Acht Seniorenmannschaft schickt er – neben den Jugendmannschaften und dem Damenteam – in seinem Jubiläumsjahr ins Rennen, und die Trainingsarbeit findet gleich an vier Standorten statt: in Meppen selbst, in Wesuwe, Hase-lünne und Bokeloh. Und nicht abgerissen sind in den letzten zehn Jahren die Erfolge, gerade die im Jugendbereich. Gewonnene Bezirkseinzelmeisterschaften und Qualifikationen für Deutsche Meisterschaften erzielen unsere Jugendspieler heute genausogut wie vor zehn Jahren, als Heinz Albers den Vorsitz unseres Vereins übernommen hat. Das alles aufzulisten und mit Namen zu versehen, wäre die Aufgabe einer Statistik – und es fortzuführen in die Zukunft die Aufgabe derer, die nachfolgen.
Ich aber reise in den fernen Spiegel der Vergangenheit, und wenn etwas Zeit bleibt auf der Strecke zwischen Bremen und Meppen, fahre ich durch Haselünne und halte an der Hammer Straße. Das Missionshaus liegt verwaist, denn vor ein paar Monaten sind die letzten Brüder vom Orden des Heiligen Franziskus nach Bamberg heimgerufen worden, unter ihnen auch Bruder Jordan, ein Greis von 9o Jahren. Als Kurt Ender seine zündende Rede schwang und Guba und Knop zum Entscheidungsspiel antraten, als Ernst Totzke sein bitteres Ultimatum stellte und Neumann die Schachgruppe Ha-selünne ins Leben rief, auf seinen Händen Leo Hiemann saß und der junge Schwefer die Klasse erhielt, da war in jedem dieser Augenblicke Farbe und Geruch, Spannung und Glück: die Gegenwart, oder das Leben selbst. All dies ist heute Geschichte und vergangen; aber Eugen Stetzko lebt und spielt seine Mandola, Heinz Neumann angelt und Friedrich Guba wandert immer noch. Basilius indes - ?
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